Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn



Experimentalpsychologisches Seminar II, I2





Bericht zum Experiment

„Choking under Pressure“ (Pac Man)

 

Vorgelegt von:





Susanne Donath

4. Sem. Psychologie

Esther Jodeit

4. Sem. Psychologie

Michael Kondzior

4. Sem. Psychologie

Jenny Proft

4. Sem. Psychologie

Vasilios Siochos

4. Sem. Psychologie

Matrikelnr: 1226345

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Bonn, den 12/7/2000

 

 


Inhaltsverzeichnis


1. Einführung .................................................................... Seite 2

    1. "self-focus" Theorie .................................................... Seite 2

    2. "distraction" Theorie ................................................... Seite 3

    3. "distraction" Theorie vs. "self focus" Theorie ............... Seite 3

    4. Experiment Überblick .................................................. Seite 4

  1. Ablauf des Experimentes ............................................... Seite 5

    1. Versuchsteilnehmer ...................................................... Seite 5

    2. Design ........................................................................ Seite 5

3. Ergebnisse .................................................................... Seite 9

4. Diskussion .................................................................... Seite 13

5. Quellenverzeichnis ........................................................ Seite 15

6. Anhang ......................................................................... Seite 16


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1. Einführung

Die paradoxen Leistungseffekte werden definiert als das Vorkommen nicht optimaler Leistung unter Druck trotz Anstrengung und Belohnung für höhere Leistung. Dieses Phänomen, ist bekannt als "choking under pressure" (Versagen unter Druck).

Denkbare Drucksituationen sind Wettbewerb, Anwesenheit von Publikum sowie leistungsabhängige Belohnung und Bestrafung. Das Experiment untersucht die kognitiven Prozesse, die diesem Phänomen zugrunde liegen. Es gilt zwischen zwei dominanten Theorien, die für die Erklärung des "choking effects" vorgeschlagen wurden, zu unterscheiden - "distraction" (Ablenkung-) und "self-focus" (Selbstaufmerksamkeits-) Modelle. Die Ansätze stellen zwei Typen der "attentional" (Aufmerksamkeits-) Theorien dar, die "choking" durch Störung der Aufmerksamkeitsprozesse des handelnden Individuums erklären.


1.1 "self-focus" Theorie


Die "self-focus" Theorie basiert auf der Annahme, daß unter bestimmten situativen Bedingungen (z. B. Publikumspräsenz, Ego-Relevanz, Bestrafung, Belohnung und Wettbewerb) der Handelnde unter Druck versagt, weil er seine Aufmerksamkeit auf sich selbst richtet. Auch die Untersuchungen zu Leistungsmotivation untermauern die "self-focus" Theorie. Atkinson (1974) zeigte, daß eine Steigerung der Anstrengung zu einer übermäßigen

Motivation führen kann, die einen Leistungsabfall zur Folge hat.

Das "self-focus" Modell von Baumeister (1984) geht davon aus, daß der Druck, eine gute Leistung zu erbringen, den Handelnden dazu bringt, seine Aufmerksamkeit auf den Prozeß seiner Performanz zu fokussieren. Die frühere Forschung von Kimble & Perlmuter (1970) hat gezeigt, daß eine automatisierte Tätigkeit keiner bewußten Aufmerksamkeit bedarf. Wenn man sich aber trotzdem bewußt auf diese Handlung konzentriert, wird die Performanz beeinträchtigt.

So ist es z. B. möglich, daß ein Fußball-Profi einen wichtigen Elfmeter deshalb verschießt, weil er unter Druck versucht, seine Bewegungen zu kontrollieren und feststellt, daß er bewußt nicht weiß, wie er den Schuß ausführen soll. Das Ergebnis ist "choking under pressure".


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1.2 "distraction" Theorie


Das "distraction" Modell basiert auf der Annahme, daß "choking" als Folge

einer Störung der Konzentration durch Ablenkung auftritt. Unterstützung dieser Theorie findet man in der Forschung zu Ängstlichkeit (Doctor & Altman, 1969; Eysenck, 1979; Kahneman, 1973; Morris & Liebert, 1969; Sarason, 1972).

Diese Studien fanden heraus, daß hoch ängstliche Menschen dazu tendieren, sich mit nicht aufgabenrelevanten Gedanken zu beschäftigen. Deswegen vertreten die "distraction" Theorie Anhänger die Ansicht, daß das Beschäftigtsein mit Angst von den für die Lösung der Aufgabe wichtigen Schritten ablenkt. Das Ergebnis ist "choking under pressure"


1.3 "distraction" Theorie versus "self focus" Theorie


Eine Methode, um zwischen den beiden Theorien zu unterscheiden, ist eine

Person, die eine Aufgabe unter starkem Druck ausführt, zusätzlich abzulenken.

Wenn das "distraction" Modell zutrifft, müßte in diesem Falle eine Verschlechterung der Performanz zu beobachten sein. Wenn auf der anderen Seite das "self-focus" Modell richtig ist, müßte der negative Effekt des Drucks wieder aufgehoben werden, da eine Ablenkung von der Selbstaufmerksamkeit stattfindet.

Frühere Untersuchungen (Baumeister, 1984; Hamilton, & Tice, 1985)haben

gezeigt, daß die chronisch niedrig Selbstaufmerksamen unter der Druckbedingung schlechter abschneiden als die hoch Selbstaufmerksamen. Diese sind bereits unter normalen Umständen so auf sich selbst konzentriert, daß eine durch Druck erhöhte Selbstaufmerksamkeit einen geringeren Effekt hat.


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1.4 Experiment Überblick


Die Leistung wurde unter Druck und ohne Druck verglichen. Diese zwei Bedingungen fanden entweder mit oder ohne Ablenkung statt. Damit ergibt sich ein 2 x 2 Design. Als weitere Moderatorvariablen wurden Selbstaufmerksamkeit, Ängstlichkeit, Selbstwertgefühl und Soziale Erwünschtheit mit erfaßt (siehe Anhang).


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2. Ablauf des Experimentes


2.1 Versuchsteilnehmer


56 Versuchspersonen nahmen an diesem Experiment teil. Die Versuchspersonen waren gemischt, d. h. daß verschiedene Studienrichtungen und Berufe vertreten waren. Insgesamt nahmen 24 Frauen und 32 Männer an dem Experiment teil.


2.2 Design


Nachdem die Versuchspersonen begrüßt wurden, sollten sie erst einmal sechs Fragebögen ausfüllen. Es waren Auszüge von Fragebögen die Trait-Ängstlichkeit, Selbstwert, Soziale Erwünschtheit, Selbstaufmerksamkeit, Tendenz zum Lügen und Kontrollwahrnehmung maßen (siehe Anhang).

Nach Beendigung der Aufnahme der Daten (Meßwerte), sollten die Versuchspersonen noch zwei weitere Fragebögen ausfüllen. Einer befaßte sich mit Selbstaufmerksamkeit (Pronomen-Test in Türkisch). Und der zweite Fragebogen diente zum Manipulation Check (siehe Anhang).

Nach dem ausfüllen der ersten sechs Fragebögen bekamen die Versuchspersonen die Instruktionen zum Experiment. Danach wurde das Spiel gestartet und die Versuchspersonen hatten erstmal sieben Minuten Zeit das Spiel näher kennenzulernen.

Gespielt wurde das Spiel Pac Mon welches eine Variante des klassischen Pac Man ist. Das Spiel läuft unter reinem DOS (in diesem Fall DOS 6.2) oder unter dem DOS-Fenster von Windows 9x.

Die Rechner die benutzt wurden waren INTEL Pentium 133 MHz Rechner, mit einer handelsüblichen 2 MB Grafikkarte (teilweise PCI oder ISA). Bei den Monitoren handelte es sich um Belinea 107050 17'' Monitore.

Die Versuchspersonen spielten eine Manipulationsfähige Version der klassischen Pac Man (Pac Mon) Variante:

  1. Es gab keine Kraftpillen in den Ecken des Labyrinthes. Es war also nicht möglich die Geister zu „fressen“.

  2. Ab der Baseline Messung hatten die Versuchspersonen im Gegensatz zu der Übungsphase nur noch ein Leben, statt fünf Leben.


Das Ziel des Spiels bestand nun darin möglichst lange im Labyrinth zu überleben. Die gefressenen kleinen Punkte in den Gängen spielten in diesem Experiment keine Rolle. Anders ausgedrückt, die erreichte Punktzahl war nicht von Bedeutung für das Experiment. Nach der Übungsphase kam die Adaptationsphase:

Hier wurden fünf Durchgänge gespielt (per Stoppuhr die überlebte Zeit gemessen und notiert) und danach der Mittelwert der überlebten Zeit gebildet. Ziel der Adaptationsphase war es die Geschwindigkeit des Spiels so einzustellen, daß die Versuchsperson mindestens 30 Sekunden oder höchstens 60 Sekunden überlebte. Lag die Versuchsperson nicht in diesem Intervall so mußte der Versuchsleiter die Geschwindigkeit des Spiels ändern bis der Mittelwert in dem gewünschten Intervall lag.

Nach der Adaptationsphase kam die Baseline Messung:

In der Baseline Messung wurden zwei 5er Durchgänge gespielt während die jeweils überlebte Zeit gemessen und notiert wurde. Die Baseline Messung diente zur Kontrolle wie die Versuchspersonen unter neutralen Bedingungen spielen.

Hier wurden zwei 5er Durchgänge gespielt. Der Mittelwert der zwei 5er Durchgänge wurde jeweils notiert. Das Ziel der Baseline Messung war es einen Wert zu erhalten der nichts mit dem späteren Treatment zu tun hat.

Es gab vier Bedingungen (2x2 Design):


  1. Druck und Ablenkung

  2. Kein Druck, aber mit Ablenkung

  3. Druck ohne Ablenkung

  4. Kein Druck und ohne Ablenkung


Die Versuchspersonen wurden folgendermaßen den Bedingungen zugeteilt (randomisiert):

Die Versuchspersonen kamen zufällig (in der Reihenfolge der Anmeldungen und der Teilnahme am Experiment) in die jeweilige Bedingung indem die erste Versuchsperson der 1. Bedingung zugeteilt wurde. Die zweite Versuchsperson kam automatisch in die 2. Bedingung. Die dritte Versuchsperson die sich gemeldet hat kam automatisch in die 3. Bedingung. Die 56. Versuchsperson die sich gemeldet hatte kam dementsprechend in die 4. Bedingung.


Die 1. Bedingung (Druck und Ablenkung) sah folgendermaßen aus:

Den Versuchspersonen wurde ein kleiner Geschenkkorb präsentiert. Darin waren Rubellose, Kinder Überraschungseier und HARIBO Goldbären. Den Versuchspersonen wurde nun erzählt, daß sie sich etwas aus diesem Korb aussuchen können. Das was die Versuchsperson sich ausgesucht hat konnte sie auch gewinnen, jedoch wurde ihr zusätzlich noch mitgeteilt, das sie ihren „Preis“ nur dann bekommt wenn sie ihren Mittelwert der letzten zehn Durchgänge (Baseline Messung) in den kommenden zehn Durchgängen um mindestens zehn Sekunden verbessert. Damit sollte Druck ausgeübt werden. Zusätzlich sollten die Versuchspersonen auch noch in 1er Schritten von 1 bis 100 zählen. Das sollte dazu dienen Selbstaufmerksamkeit zu verhindern.


Den Versuchspersonen in der 2. Bedingung (Kein Druck, aber mit Ablenkung) wurde kein Geschenkkorb angeboten da in dieser Bedingung kein Druck ausgeübt werden sollte. Diese Gruppe sollte nach der Baseline Messung lediglich zehn Durchgänge spielen und dabei immer wieder deutlich vernehmbar von 1 bis 100 (in 1er) zählen. Auch hier wurde nach jeweils fünf Durchgängen der Mittelwert berechnet. Nach den zehn Durchgängen wurde auch hier wieder der Mittelwert der zehn Durchgänge berechnet.


In der 3. Gruppe wurde nach der Baseline-Messung, wie bei der 1. Gruppe, der Geschenkkorb präsentiert. Auch sonst blieb alles genauso wie bei der 1. Gruppe, außer das hier nicht von 1 bis 100 gezählt wurde.


Die 4. Gruppe sollte nach der Baseline Messung einfach noch einmal zwei 5er Durchgänge spielen. Auch hier wurde nach fünf Durchgängen der Mittelwert errechnet. Am Schluß wurde dann der Mittelwert der zehn Durchgänge errechnet.

Hatten die Versuchspersonen ihren Mittelwert um 10 Sekunden gegenüber der Baseline Messung verbessert so bekamen sie ihr selbstgewähltes „Geschenk“. Das galt natürlich nur für die beiden Druck Bedingungen (1 und 3).

Nachdem die Versuchspersonen die letzten beiden Fragebögen ausgefüllt hatten wurden sie (auf Wunsch) über den Sinn des Experimentes aufgeklärt und entlassen.


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3. Ergebnisse

Von den 56 Versuchspersonen konnten alle Werte der Baseline- und der Performance-Phase verwendet werden. Fehlende Daten tauchten nur gelegentlich in den schriftlich zu beantwortenden Fragen auf. Mit einer zweifaktoriellen ANOVA wurde überprüft, ob die Faktoren "Druck/kein Druck" und "Ablenkung/keine Ablenkung" einen Einfluß auf die Überlebenszeit beim Pacmonspielen haben. Die Faktorenanalyse zeigte keinen signifikanten Effekt, sowohl für die Haupteffekte als auch für die Interaktion.


 

 

 

Tabelle 1: ANOVA für Druck und Ablenkung.


 

 

 

 

 

 

Grafik 1: Interaktionsdiagramm der Haupteffekte.



Da jedoch die Möglichkeit besteht, daß dieses Ergebnis dadurch zustande kam, daß bestimmte Faktoren nicht mitberücksichtigt wurden, welche die erstgenannten entscheidend beeinflussen, wurde die Variable Selbstaufmerksamkeit hinzugezogen. Per Median wurden die Versuchspersonen in zwei Hälften geteilt, in "Niedrig-Selbstaufmerksame" und "Hoch-Selbstaufmerksame". Die dreifaktorielle ANOVA ergab signifikante Effekte bezüglich des Haupteffektes Ablenkung, F(1,47)=4,60, P<.04, der Interaktion Druck x Selbstaufmerksamkeit, F(1,47)=4,95, p<.04, und für die Interaktion Druck x Ablenkung x Selbstaufmerksamkeit, F(1,47)=5,07, p<.03 (siehe Grafik 2).

 

 

 

 

 

 

 

 

Grafik 2: Interaktionsdiagramme der Effekte Ablenkung, Druck und Selbstaufmerksamkeit

 

Folgende geplante Kontraste wurden ebenfalls durchgeführt, die allesamt signifikant sind:

Die Variable Druck wurde bei den niedrig-selbstaufmerksamen Versuchspersonen in der Bedingung ohne Ablenkung betrachtet, F(1,47)=9,41, p<.004. Diese Versuchspersonen zeigten einen deutlichen Choking-Effekt unter Druck (siehe Tabelle 2.1 (A)).

Der Einfluß von Ablenkung wurde bei den niedrig-selbstaufmerksamen Versuchspersonen in der Bedingung ohne Druck untersucht, F(1,47)=7,03, p<.02. Das Ergebnis zeigt, daß die Ablenkung effektiv war, da diese Versuchspersonen mit Ablenkung wesentlich schlechter beim Pacmonspielen abschnitten (siehe Tabelle 2.1 (B)).

 

 

 

 

 

 

Tabelle 2.1


Die Interaktion Ablenkung x Druck bei niedrig-selbstaufmerksamen Versuchspersonen, F(1,47)=4,56, p<.04, zeigte, daß hier die Ablenkung zu einem weniger deutlichen Effekt des Choking führte (siehe Tabelle 2.2 (C)).

Außerdem ergab die Interaktion Druck x Selbstaufmerksamkeit für nicht abgelenkte Versuchspersonen, F(1,47)=9,43, p<.004, daß Druck nur einen Effekt auf die niedrig-selbstaufmerksamen Versuchspersonen hatte, jedoch keinen signifikanten Effekt bei hoch-selbstaufmerksamen Versuchspersonen (siehe Tabelle 2.2 (D)).

Zum Schluß wurden hoch- und niedrig-selbstaufmerksame Versuchspersonen miteinander verglichen, die sich in der Kontrollbedingung (ohne Druck und ohne Ablenkung) befanden, F(1,47)=5,60, p<.03.

Es wurde sichtbar, daß hohe Selbstaufmerksamkeit sich negativ auf die Performanz auswirkt (siehe Tabelle 2.2 (E)).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tabelle 2.2


Die Ergebnisse machen die bedeutsame Rolle der Variable Selbstaufmerksamkeit deutlich. Die zusätzlich erhobenen Variablen Ängstlichkeit, Selbstwertgefühl,Geschicklichkeit, soziale Erwünschtheit und die per Pronomentest erfaßte Selbstaufmerksamkeit hatten in unserem Experiment keinen signifikanten Einfluß. Auch die Auswertung des Manipulation check bezüglich des Drucks und der Anstrengung führten nicht zu signifikanten Ergebnissen.


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4. Diskussion

Die hier vorliegende konzeptuelle Replikation des Experiments von Lewis und Linder (1997) bestätigt die Hypothese, daß „choking under pressure“ durch für die Aufgabenbearbeitung hinderliche Selbstaufmerksamkeit verursacht wird. Denn obwohl kein signifikanter Overall-Choking-Effekt gefunden werden konnte, wurde ein signifikanter „paradoxer Leistungsabfall“ bei niedriger Selbstaufmerksamkeit nachgewiesen. Das bedeutet, daß Versuchspersonen mit generell niedriger Selbstaufmerksamkeit in einer durch Druck induzierten Bedingung erhöhter Selbstaufmerksamkeit einen Choking-Effekt produzieren, obwohl der Druck durch den in Aussicht gestellten Gewinn zu einer besseren Leistung führen sollte.

In der Ablenkungsbedingung ergab sich, wie vermutet, eine Abnahme des „paradoxen Leistungsabfalls“ bei generell niedriger Selbstaufmerksamkeit. Dies beweist, daß das ablenkende Zählen offenbar hinderliche Ressourcen bindet und dadurch zu einer verbesserten Leistung führt.

Die Tatsache, daß bei allgemein hoher Selbstaufmerksamkeit kein „choking under pressure“ nachgewiesen werden konnte, stützt die Theorie von Baumeister (1986), daß diese „paradoxen Leistungsabfälle“ auf eine durch Druck erhöhte Selbstaufmerksamkeit zurückzuführen sind. Theorienkonform kann bei generell erhöhter Selbstaufmerksamkeit von einer Art Immunisierung gegen die durch den Druck normalerweise induzierte Selbstaufmerksamkeitserhöhung ausgegangen werden, weshalb kein Versagen unter der Druckbedingung zu beobachten ist.

Daß Traitselbstaufmerksame ohne Druck und Ablenkung signifikant schlechtere Leistung zeigten als Versuchspersonen mit allgemein niedriger Selbstaufmerksamkeit demonstriert eindrucksvoll die leistungsmindernde Wirkung erhöhter Selbstaufmerksamkeit.

Das einzige hypothesenwidrige Ergebnis in der Bedingung der Ablenkung der generell erhöht Selbstaufmerksamen, die unter Druck signifikant schlechtere Leistungen zeigten als ohne Druck, kann dadurch erklärt werden, daß die Ablenkung durch das Zählen keine so große Erleichterung bietet, daß die Traitselbstaufmerksamkeit davon nachhaltig beeinflußt wird. Eventuell könnte auch die kleine Stichprobe zu diesem Ergebnis beigetragen haben.

Die Vermutung, daß Ängstlichkeit und Selbstwertgefühl den Choking-Effekt moderierend beeinflußt haben könnten, konnte nicht bestätigt werden, was möglicherweise durch die gewählten Fragebögen (siehe Anhang) begünstigt wurde. Auch die gefundenen Ergebnisse zur Geschicklichkeit, die sich in der Anfangsgeschwindigkeit widerspiegelt, sowie die mit Fragebogen erhobene soziale Erwünschtheit zeigten keinen Einfluß auf die Leistungsperformanz, was die Selbstaufmerksamkeitstheorie weiter bekräftigt.

In dem Experiment von Lewis und Linder (1997) wurde Selbstaufmerksamkeit induziert, indem die Versuchspersonen während ihrer Performanz angeblich von einer Videokamera aufgezeichnet wurden. Diese situative und damit eventuell auch adaptive Selbstaufmerksamkeit berücksichtigt nicht die in dem vorliegenden Experiment mit Fragebögen erhobene chronische Selbstaufmerksamkeit. Durch diese Beachtung der interindividuellen Persönlichkeitsunterschiede konnte somit zusätzliche Varianz aufgeklärt werden.

Die Generalisierbarkeit der gefundenen hypothesenkonformen Ergebnisse könnte aufgrund der Tatsache bezweifelt werden, daß das verwendete Computerspiel nicht zur Erklärung „paradoxer Leistungsabfälle“ in Prüfungs- oder Sportwettkampfsituationen wie zum Beispiel dem Elfmeterschießen in Fußballspielen beiträgt, da es eine nicht ausreichend ähnliche Leistung verlangt.

Zukünftigen Untersuchungen zu dem Thema „choking under pressure“ bleibt es überlassen, dies zu berücksichtigen.


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5. Quellenverzeichnis

Lewis, Brian P., Linder, Darwin E. (1997). Thinking about Choking? Attentional and Paradoxical Performance. In Society for Personality and Social Psychology, Personality and Social Psychology Bulletin, 23, 937-944.



Baumeister, R. F. (1984). Choking under pressure: Self-conciousness and paradoxical effects of incentives on skillfull performance. Journal of Personality and Social Psychology, 46, 610-620.



Baumeister, R. F. & Steinhilber, A. (1984). Paradoxical effects of supportive audiences on performance under pressure: The home field disadvantage in sports championships. Journal of Personality and Social Psychology, 47, 85-93.


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6. Anhang

Die Reihenfolge der Fragebögen entspricht exakt der Reihenfolge wie sie den Versuchspersonen vorgelegt wurden.

!!! Aus rechtlichen Gründen können die Fragebögen leider nicht im Internet veröffentlicht werden :-( !!!