Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn



Dimensionen der Persönlichkeit, F4





Referat

Kreativität













Vorgelegt von:

Vasilios Siochos

 
2. Semester Psychologie
Matrikelnummer: 900441
Pf.-Kenntemich-Pl. 18
53840 Troisdorf
Telefon: 0 22 41 / 8 37 68

Troisdorf, den 04.06.1999



Inhaltsverzeichnis

  1. Definitionen von Kreativität .....................................................................1
  2. Zwei wichtige Ereignisse in der Kreativitätsforschung ...............................3
  3. Kreativität - Das Forschungsgebiet ..........................................................4
  4. Kreativitätsprozesse ................................................................................4
  5. Persönlichkeit und Kreativität

    5.1 Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale ...........................................6

    5.2 Motivation .........................................................................................8

    5.3 Neuere Erkenntnisse und Kritik ..........................................................9

  6. IQ und Kreativität ..................................................................................10
  7. Kreativitätstests

    7.1 Die Tests ..........................................................................................11

    7.2 Allgemeine Kritik an Kreativitätstests ................................................13

    7.3 Reliabilität und Validität von Kreativitätstests .....................................13

  8. Kreativität und Lebensalter .....................................................................14
  9. Anhang

    9.1 Auszug eines Kreativitätstests aus dem Internet .................................16

    9.2 Test zum schöpferischen Denken - Zeichnerisch ................................17

  10. Quellenverzeichnis ..................................................................................19


  1. Definitionen von Kreativität

Früher wurde vor allem die Neuheit bei der Kreativität hervorgehoben. Das heißt: Mit Neuheit wurde auch gleichzeitig Originalität gemeint.

Barron (1963) unterschied bei Kreativität zwischen

Ghiselin (1963) teilte den Begriff „Kreativität“ in

auf.

Mit sekundärer Kreativität meinte Ghiselin die Anwendung von etwas Bekannten. Mit primärer Kreativität ist die Entwicklung neuer Prinzipien gemeint.

Kuhn (1977) meinte, daß bei der „praktischen Kreativität“, das sind z.B. Gedankengänge, Ideen, Musikwerke oder Kunstwerke, nicht nur die Neuheit wichtig sei. Kreativität soll auch

sein.

Csikszentmihalyi (1988) betont bei dem Begriff Kreativität auch noch die nötige Anerkennung der Gesellschaft. Doch die soziale Akzeptanz kann durchaus viele Jahre in Anspruch nehmen.

Stein erwähnt zum ersten Mal den Nutzen der Kreativität. Demnach soll ein geschaffenes Produkt auch als brauchbar oder befriedigend angesehen werden.

Bei nichtmateriellen Produkten wären das Antworten oder Ideen, die neu sind und sich verwirklichen lassen. Sie müssen ein Problem lösen, einen Zustand verbessern oder ein Ziel erreichen. Zusammenfassend läßt sich Kreativität folgendermaßen beschreiben:

Kreativität zeichnet sich durch

aus.

 

  1. Zwei wichtige Ereignisse in der Kreativitätsforschung

Es gab zwei wichtige Ereignisse in der Kreativitätsforschung:

Guilford wendete sich 1950 während eines Kongresses an die American Psychological Association (APA) um das Reizwort Kreativität wieder aufzugreifen. Der Grund dafür waren Klagen der US Wirtschaft über einen Mangel an kreativen Personen in der Wirtschaft und in der Wissenschaft.

Die US Wirtschaft forderte die Erforschung, die Erfassung und die Förderung der Kreativität.

Das andere wichtige Ereignis wurde 1957 vom „Sputnik Schock“ ausgelöst. Da die damalige Sowjetunion als erste einen künstlichen Erdsatelliten (Sputnik) in die Umlaufbahn brachten, sah man in den USA ein Defizit in der Raumfahrt. Es wurden daraufhin erhebliche Anstrengungen unternommen um das wieder auszubessern.

Dabei flossen auch erhebliche Mittel der Kreativitätsforschung zu.

Später kam die Kreativitätsforschung dann auch außerhalb der USA zum Tragen.

 

  1. Kreativität - Das Forschungsgebiet

Laut Mehlhorn (1988) gibt es zwei Möglichkeiten Kreativität zu erforschen.

Und zwar anhand von biographischen Studien und testorientierten Studien.

Die Biographischen Studien werden meist an verstorbenen bekannten Musikern, Malern, Schriftstellern oder Wissenschaftlern gemacht.

Werden biographische Studien bei lebenden Personen gemacht so wird dies anhand von Interviews, Tests und Beobachtung während des Arbeitens untersucht.

Zu den Tests ist noch anzumerken, daß sie durchaus auch etwas anderes messen können als Kreativität. Bei der allgemeinen Population werden die erreichten Testwerte mit IQ-Werten oder Persönlichkeitsmerkmalen in Verbindung gebracht. Bei Personen die nachweisbar wirklich kreativ sind, ist der Testansatz nicht nützlich, da sie sich meist weigern einen Kreativitätstest zu machen.



  1. Kreativitätsprozesse

Kreativität kann erst dann entstehen, wenn erkannt wird, daß ein Problem überhaupt existiert. So steht für viele, die Kreativität zu erklären versuchen, die Existenz oder das Erkennen eines Problems an erster Stelle des Kreativitätsprozesses. Tardiff und Sternberg (1988) sehen darin überhaupt den Kern der Kreativität: Kreativität ist die Fähigkeit „gute Probleme“ zu erkennen.

Dillon (1982) nennt drei Ebenen des Problemfindens, die er als Quelle von Kreativität ansieht:

Für Guilford finden kreative Prozesse in diesen vier Schritten statt:

Wallas gliederte den Kreativitätsprozeß bereits in den zwanziger Jahren so auf: Information, Inkubation, Illumination, Verifikation.

Die Inkubationsphase ist dadurch gekennzeichnet, daß in dieser Zeit zwar das Auseinandersetzen mit dem Problem erfolgt, aber es ist noch keine Lösung in Richtung Ziel ersichtlich. Diese Phase kann bis zu mehreren Jahren dauern. Die Illumination ist das „Aha-Erlebnis“ oder die plötzliche Erleuchtung, die zur Lösung des Problems verhilft. Wallas wurde deswegen sehr kritisiert.

Überhaupt gibt es in der Kreativitätsforschung eher eine Abneigung zur Rolle des Glücks oder des Zufalls. Selbst Edison lehnte die Rolle des Glücks / Zufalls bei der Kreativität strikt ab. Das ist eigentlich verwunderlich, da der Wolframdraht, den er für die Glühbirne brauchte, nicht durch Berechnungen gefunden wurde, sondern durch eben diesen glücklichen Zufall.

Mit der Rolle der Informationsverarbeitung und der Kreativitätsprozesse befaßte sich Necka (1986). Demnach laufen die Prozesse so ab:

  1. Assoziationen herstellen
  2. Gemeinsamkeiten erkennen
  3. Metaphern bilden
  4. Transformationen vornehmen
  5. Aufmerksamkeit selektiv ausrichten
  6. vom Konkreten abstrahieren

Rabinowitz und Glaser (1985) meinen, daß die effektive interne Repräsentation eines Problems, die schnelle Informationsverarbeitung und eine flexible Anwendung von möglichen Lösungsstrategien für Kreativität verantwortlich sei.

Das verlangt einen Regelkreislauf, der neue Informationen mit bereits „gespeicherten“ Informationen vergleicht und eine problemnahe Darstellung der Gedanken in z.B. Wörtern. Altshuller (1984) erkannte, daß es Mechanismen geben muß, die es ermöglichen sich anhand vielversprechender Assoziationsrichtlinien zu Orientieren, da es sonst sehr umständlich und anstrengend für Kreativität sei.

Dem kommt Sternberg (1985) mit seinem Metakognitivem Ansatz nahe.

Sternberg ist der Meinung, daß die Mechanismen aus Regeln bestehen, die es dem Denkenden ermöglichen gedankliche Sackgassen schnell zu erkennen und zu vermeiden, die Schwächen, bzw. Stärken, einer bestimmten Denkrichtung zu erkennen und schließlich Entscheidungskriterien zwischen Tauglichem und Untauglichem schnell zu entwickeln.

Sternbergs Metakognitive Prozesse ermöglichen die Kontrolle, die Selektion und eine Auswertung der eigenen Kognition.

Leary (1964) wollte Kreativität anhand psychedelischer Drogen erfassen. Er stützte sich dabei auf die Egodiffusion, die von Barron (1963) eingebracht wurde.

Die Egodiffusion ergibt sich aus der Unordnung des eigenen Unterbewußtseins. Leary gab seinen Probanden psychedelische Drogen und hoffte damit, eine Verbindung zwischen Bewußtem und Unterbewußtem zu bekommen. Studien haben jedoch diese Herangehensweise nicht bestätigen können.

 

  1. Persönlichkeit und Kreativität
  1. 5.1 Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale

Zu den persönlichen Fähigkeiten, die für Kreativität wichtig sind, stellte Sternberg ein „Drei Facetten Modell“ auf. In diesem Modell gibt es drei Komponenten:

Die kreative Stilkomponente teilt Sternberg noch weiter auf:

Kreative Menschen unterscheiden sich von Nichtkreativen Menschen durch spezielle Zusammensetzungen kognitiver Merkmale, dem Stil.

Die Daten werden anders verarbeitet. Kreative Menschen denken nicht innerhalb von Grenzen, sie überschreiten Grenzen und bilden komplexe kognitive Strukturen. Zudem produzieren sie Ideen flüssiger als Nichtkreative.

Mehrere Autoren (Cropley, Amabile et al.) haben Studien zusammengefaßt und fanden folgende Persönlichkeitszüge, die für Kreativität von Bedeutung sind:

Maslow & Rogers sehen Aufgeschlossenheit als einen entscheidenden Faktor für die Entstehung von Kreativität.

Demgegenüber vertritt Eysenck eine ganz eigene Ansicht. Für ihn gibt es nur ein zentrales Merkmal das für Kreativität ausschlaggebend ist: Psychotizismus.

Demnach hat Kreativität etwas mit der Konstellation von Persönlichkeitsmerkmalen zu tun und nicht mit Denkprozessen und kognitiven Merkmalen.

Eysenck erarbeitete ein Psychotizismus-Kreativitätsmodell das ihm fünf Zugänge bietet um sein Modell empirisch zu bestätigen:

  1. Personen, die genetisch bedingt zu Psychotizismus neigen, sind ungewöhnlich kreativ.
  2. Psychotizismus hängt mit Test Kreativität (Originalität) zusammen.
  3. Psychotizismus Beziehungen weisen kreative Leistungen auf
  4. kreative Personen leiden oft an psychopathologischen Symptomen.
  5. identische kognitive Stile sind für Psychotiker, Personen mit hohen Psychotizismus-Werten und kreativen Menschen charakteristisch.

Eysenck wurde natürlich deswegen stark kritisiert. Seine Kritiker warfen ihm vor, daß er offensichtlich allgemeine Merkmale mit Ursachen verwechselt. Man kann nicht kreative Ideen und Produkte, die oft ungewöhnliche Züge aufweisen, in einem direkten Zusammenhang mit ungewöhnlichen Elementen in Verbindung bringen.

  1. 5.2 Motivation

Mehlhorn & Mehlhorn (1985) sowie Sternberg (1988) fanden heraus, daß nicht nur die Persönlichkeit für Kreativität ausschlaggebend sei, sondern auch andere psychische Dimensionen, wie z.B. die Motivation.

Kreative Menschen unterscheiden sich von Nichtkreativen Menschen gerade darin, daß sie sich über eine längere Zeit mit der Suche nach einer Lösung beschäftigen. Fallstudien an berühmten kreativen Menschen zeigten, daß der Erfolg erst nach Jahrelanger Anstrengung erzielt wurde.

Das alles kann nur dann geschehen wenn der Antrieb von „innen“ kommt, man spricht dann davon, daß die Motivation intrisisch ist.

Empirische Studien von Biermann (1985) und Csikszentmihalyi (1988) haben das bei Mathematikern und Musikern nachweisen können.

Tardiff und Sternberg (1988) faßten die motivationalen Voraussetzungen die für Kreativität nötig sind folgendermaßen zusammen:

 

  1. 5.3 Neuere Erkenntnisse und Kritik


Gruber & Davis (1988) definierten das „Modell der entwickelnden Systeme“. Die Systementwicklung erfolgt in drei Bereichen:

  1. Erkenntnisse
  2. Affektzustände
  3. Ziele

Alle drei Bereiche ändern sich ständig anhand von Wechselwirkungen mit der Umwelt (durch den Erwerb neuer Kenntnisse, Weiterentwicklung von Emotionen und Einstellungen und die neuen Ziele die dabei entstehen), wie auch untereinander.

Dies veranschaulicht auch Abb. 1. Hier werden die Wechselwirkungen zwischen dem Problem, der Person, dem Prozeß, dem Produkt und der Umwelt gezeigt. Alles wird somit von allem beeinflußt.

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Abb.1: „4 P-U-Modell“ frei nach Urban, 1993, S.163


Shaw (1989) bemängelte, daß sich die Kreativitätsforschung nicht mit den empfundenen Gefühlen und Emotionen von kreativen Menschen auseinandersetzt. Er erarbeitete in einer Studie an erfolgreichen Ingenieuren und Physikern mehrere Dimensionen der Gefühle:

 

  1. IQ und Kreativität

Schon Guilford fand heraus, daß hohe Intelligenz nicht mit einem hohen Kreativitätsniveau gleichzusetzen ist. Es ist auch durchaus strittig was der IQ genau für eine Rolle bei der Kreativität spielt. Es können relativ hohe Kreativitätsniveaus mit einem mittlerem IQ und mit einem hohen IQ erreicht werden, wie Abb. 2 verdeutlicht. Nur eins scheint sicher zu sein: Ist der IQ sehr niedrig, so können auch keine hohen kreative Leistungen erbracht werden.

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  1. Kreativitätstests

7.1 Die Tests

Guilford und viele andere übten in den 60er Jahren Kritik am konvergentem Denken. Beim konvergentem Denken wird strikt logisch gedacht und nach der einzigen Bestlösung gesucht. Dadurch werden jedoch unerwartete originelle Antworten ausgeschlossen, da sie enorm vom Erwarteten abweichen können.

Es werden Denkprozesse vernachlässigt die nicht in streng vorgegebenen Bahnen verlaufen und somit zu neuartigen Ideen führen. Diese vernachlässigten Denkprozesse nannte Guilford „divergentes Denken“. Dabei geht es nicht um „richtig“ oder „falsch“, sondern um die Produktion von neuen Ideen.

Guilfords Ansatz war ausschlaggebend für die spätere Forschung und für die Entwicklung von Kreativitätstests. Er selbst entwickelte auch eine Reihe von Tests die divergentes Denken messen sollten. Die bekanntesten Tests der letzten Zeit sind die TTCT (Torrance Tests of Creative Thinking, Torrance 1974). Diese Tests basieren auf dem Konzept des divergenten Denkens. Die Probanden werden dazu aufgefordert nicht die einzig beste (bzw. richtige) Lösung zu finden, sondern sich so viele Antworten auszudenken wie möglich. Bei den Guilford / Torrance Tests sollen folgende Aspekte des kreativen Denkens gefunden werden:

Beispiel:

Diese Art von Tests werden unter Zeitdruck abgehalten. Auch in Deutschland sind Tests zum divergentem Denken erschienen:

Wallach und Kogan kritisierten diese Art von Kreativitätstests, da die Tests zum divergentem Denken unter Zeitdruck stattfinden. Kreativität kann aber nicht so erfaßt werden. Wallach und Kogan testeten auch Kreativität, jedoch mit der Betonung auf die Notwendigkeit einer spielerischen Atmosphäre und ohne Zeitdruck. Sie testeten Kreativität unter anderem mittels Assoziationen (siehe Abb. 3).

Dabei stellten sie fest das die weniger Kreativen länger brauchten um Assoziationen auf ein Reizwort zu produzieren, das ihre Assoziationen geläufig waren und die Menge der Assoziationen geringer waren als bei den Hochkreativen. Hochkreative fangen dagegen mit ihren Assoziationen früher an und produzieren wesentlich mehr Assoziationen als die weniger Kreativen. Die Hochkreativen kommen damit auch in den Bereich der seltenen Assoziationen.

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Abb. 4: Kreative vs. Weniger Kreative

 

7.2 Allgemeine Kritik an Kreativitätstests

Krause (1972) ist der Meinung, daß hohe Testwerte nicht gleichbedeutend mit hoher Kreativität sind. Es ist überhaupt fraglich ob Kreativitätstests Kreativität messen. Im Alltag stellen sich ganz andere Probleme als in den Tests. Andere Kritiker bemängeln, daß bei Kreativitätstests nur die Ergebnisse vorliegen, aber nicht das was in den Personen selber vorgeht.

Nicholls (1972) ist sogar der Meinung, daß der Trait Ansatz bei der Kreativität und damit natürlich auch bei den Tests, völlig verfehlt und unbrauchbar sei. Kreativität sei kein Persönlichkeitsmerkmal und damit schlecht meßbar. Man solle sich daher eher auf die kreativen Produkte konzentrieren.


 7.3 Reliabilität und Validität von Kreativitätstests

Cropley et al. (1988) fanden Reliabilitätswerte von 0.3 bis 0.7 für Guilford / Torrance Tests. Howieson berichtet dagegen von Werten die von 0.15 bis 0.7 für dieselbe Art von Tests reichen. Torrance selber ging von einem Durchschnittswert von 0.68 für seine Tests aus. Dagegen fanden Wallach und Kogan (1965) für ihre Tests Koeffizienten von über 0.9. Dieser Wert wird auch von Cropley und Maslany (1969) und Kogan und Pankove (1972) bestätigt. Insofern ist es fraglich ob die Guilford / Torrance Tests überhaupt Kreativität messen. Die besseren Werte bei Wallach und Kogan lassen sich eventuell auch dadurch erklären, da bei ihnen eine spielerische Atmosphäre herrscht, die Tests werden individuell dargeboten, die Testantworten werden vom Testleiter und nicht vom Probanden aufgeschrieben und es herrscht kein Zeitlimit.

Bei der Validität sieht es noch wesentlich schlimmer aus. Sie wird durch Korrelationen mit anderen Kreativitätstests, mit IQ-Werten oder Schulnoten untersucht. Hocevar und Bachelor (1989) stellten ein geradezu vernichtendes Ergebnis fest: „Es gibt keine eindeutige Korrelationen“. Es wurden niedrige, mittlere sowie hohe Korrelationen festgestellt. Krause fand sogar zwischen Physik und Kreativität eine negative Korrelation von –0.12.

Wallach liefert folgende Erklärungen für solche Ergebnisse:

 

  1. Kreativität und Lebensalter

Guilford (1990) fand heraus, daß Kreativität bis zu einem Alter von sechs Jahren hoch ist. Zwischen sechs und sechzehn Jahren ist Kreativität sehr niedrig und steigt danach wieder bis zu einem Höhepunkt im Alter von 30 Jahren (Abb. 4).

Neuere Berechnungen ermittelten ein Durchschnittsalter für kreative Spitzenleistungen von 40 Jahren. Diese Entwicklung mit Höhen und Tiefen bis etwa 30 Jahren und der darauf folgenden Abnahme ergibt sich warscheinlich aus der kognitiven Entwicklung, der Wirkung von Schulnormen (z.B. Ordentlichkeit), sozialen Faktoren (z.B. Anforderungen der Berufswelt) und physiologischer Faktoren (z.B. fluide Intelligenz nimmt im Alter ab).

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Abb.4: Kreativitätsentwicklung


Mumford und Gustafson (1988) führen diese Entwicklung auf qualitative Änderungen zurück. Junge und ältere Menschen haben verschiedene Entwicklungsaufgaben. In der Jugend steht die ständige Veränderung und Weiterentwicklung im Vordergrund. Im Alter sind dagegen „kluge“ Anwendungen des geistig Erworbenen gefragt.


  1. Anhang

    9.1 Ausschnitte eines Kreativitätstests aus dem Internet

Teil 1

Wie anregend sind die nachfolgend genannten Bedingungen für Sie? Wenn Sie noch Schülerin / Schüler oder Student / Studentin sind, dann sind die Dinge auf die Schule bzw. das Studium bezogen. Vergeben Sie eine Note für jede der 15 Bedingungen. Die Noten bedeuten:

1 = sehr gute Bedingung
2 = gute Bedingung
3 = befriedigende Bedingung
4 = ausreichende Bedingung
5 = mangelhafte Bedingung
6 = ungenügende Bedingung

Teil 2

anregende Bedingung

Bewertung

Wie anregend ist / sind...

1

2

3

4

5

6

1

...die Ausstattung des Arbeitsplatzes ?

2

...die Inhalte meiner Arbeit ?

3

...die Informationen und Hinweise meiner Kolleginnen und Kollegen ?

4

...das Arbeitsklima ?

5

...die Zeitungen und Zeitschriften, die ich lese ?

6

...die Bücher, die ich lese ?

7

...die Gespräche mit meinen Freunden ?

8

...die Gespräche mit meinen Familienangehörigen ?

Teil 2

Jetzt folgen einige Fragen zu Ihrer Kindheit und Jugend. Teilen Sie bei jeder Frage mit, in welchem Ausmaß der betreffende Sachverhalt gegeben war. Verwenden Sie zur Beantwortung wiederum Noten. Dabei bedeuten:

1 = sehr oft
2 = oft
3 = manchmal
4 = selten
5 = sehr selten
6 = nie

Teil 2

Kindheit und Jugend

War gegeben

 

1

2

3

4

5

6

1

In der Schule habe ich das Amt eines Klassensprechers / einer Klassensprecherin angestrebt.

2

In Jugendgruppen / Sportgruppen habe ich Vorschläge gemacht, was wir unternehmen sollten.

3

Im Unterricht habe ich Vorschläge gemacht, wie man Aufgaben lösen kann.

4

Ich habe Kurzgeschichten geschrieben.

5

Ich hatte mehrere Hobbies, denen ich heute noch nachgehe.

6

Ich habe Beiträge für die Schul- bzw. Vereinszeitschrift geschrieben

7

Ich war bei Konflikten der Ansprechpartner, um Lösungen zu finden.

8

Ich habe schon immer viele Einfälle gehabt, um zu Lösungsvorschlägen zu kommen.

Teil 3

Jetzt sollen Sie für sich herausfinden, welche der folgenden Reaktionen und Verhaltensweisen auf Sie in welchem Ausmaß zutreffen. Verwenden Sie zur Beantwortung wiederum Noten. Dabei bedeuten:

1 = sehr oft
2 = oft
3 = manchmal
4 = selten
5 = sehr selten
6 = nie

Teil 3
 

...trifft zu

Reaktionen und Verhaltensweisen

1

2

3

4

5

6

1

Wenn ich vor einem schwierigen Problem stehe, fühle ich mich eher herausgefordert.

2

Mich kann nichts erschüttern.

3

Ich fühle mich auch dann stark, wenn ich mit unerwarteten Dingen konfrontiert werde.

4

Wenn ich in der Klemme bin, fällt mir meist der rettende Gedanke ein.

5

Es fällt mir nicht schwer, für die meisten Probleme eine Lösung zu finden.

6

Ich fühle mich immer wieder von Problemen Überfordert, mit denen ich konfrontiert werde.

7

Ich stehe oft ratlos vor Problemen.

8

Wenn ich Überraschend mit einem Problem konfrontiert werde, fühle ich mich hilflos.

Teil 4

In welchem Ausmaß treffen die nachfolgenden Aussagen auf Sie zu? Verwenden Sie zur Beantwortung wiederum Noten. Dabei bedeuten

1 = sehr oft
2 = oft
3 = manchmal
4 = selten
5 = sehr selten
6 = nie

Teil 4
 

Zustimmung

Aussage

1

2

3

4

5

6

1

Ich sehe mich so: Wer wagt gewinnt, und ich wage immer wieder.

2

Ich schaue der Zukunft mit Hoffnung und Zuversicht entgegen.

3

Ich schaue nach vorne, zu mehr guten als schlechten Zeiten.

4

Mich kann fast nichts erschüttern: Ich bin der geborene Optimist.

5

Was ich jetzt erreicht habe, hat mich für die Zukunft sicher gemacht.

6

Alles, was in der Zukunft auf mich zukommt, wird eher positiv als negativ sein.

7

Aufgrund meiner Erfahrung in der Vergangenheit gehe ich gut vorbereitet in die Zukunft.

8

Mein Handeln wird weiterhin von Optimismus geprägt sein.

9

Wenn etwas schief geht, dann helfe ich mir mit dem Wissen, daß das nicht immer so sein wird.

Teil 5

Nunmehr geht es darum, Beziehungen zu erschließen. Als erstes werden Ihnen jeweils drei Wörter vorgegeben. Zwischen dem ersten und dem zweiten Wort besteht eine bestimmte Beziehung. Zwischen dem dritten Wort und einem der fünf Wahlwörter A bis E besteht eine Ähnliche Beziehung; Sie sollen dieses Wahlwort finden. Hier ist ein Beispiel:


Lösung

Aufgaben

A

B

C

D

E

1

groß : klein  = weit : ?

(A)
fern

(B)
breit

(C)
hoch

(D)
tief

(E)
nah

Da "klein" das Gegenteil von "groß" ist, muß zu "weit" ebenfalls das Gegenteil gefunden werden; "nah" (E) ist die richtige Lösung. Diese Lösung ist deshalb unter E in dem entsprechenden Kästchen durch ein Kreuz zu markieren.
Hier ein weiteres Beispiel:


Lösung

Aufgaben

A

B

C

D

E

2

Spinat : Gemüse  =  Birke : ?

(A)
Wald

(B)
Zweig

(C)
Baum

(D)
Laub

(E)
Grün

Spinat ist ein Gemüse, d.h. "Gemüse" ist ein Oberbegriff zu "Spinat". Zu "Birke" muß daher auch ein Oberbegriff gefunden werden: "Baum" (C) ist somit die richtige Lösung.
Markieren Sie also bitte jeweils denjenigen Buchstaben, der die richtige Antwort kennzeichnet. Sie können eine einmal getroffene Entscheidung jederzeit Ändern.
Sie haben zur Bearbeitung der folgenden 20 Aufgaben 7 Minuten Zeit. Achten Sie darauf, daß Sie diese Zeit genau einhalten.

Haben Sie eine Uhr zur Verfügung? Ja!
Nun beginnen Sie!

Denken Sie daran, Sie haben nur 7 Minuten!

Teil 5
(copyright by Swets Test Services, Frankfurt, 1998)

Lösung

Aufgaben

A

B

C

D

E

1

Erfolg : Mißerfolg  =   Überfluß : ?

(A)
Verlust

(B)
Mangel

(C)
Reichtum

(D)
Unglück

(E)
Pech

2

Wort : Satz  =  Teller : ?

(A)
Löffel

(B)
Speise

(C)
Geschirr

(D)
Hunger

(E)
Schüssel

3

operieren : Skalpell  =  essen : ?

(A)
Mahlzeit

(B)
Löffel

(C)
Suppe

(D)
Teller

(E)
Tischdecke

4

Vogel : Raupe  =  Löwe : ?

(A)
Tiger

(B)
Elefant

(C)
Gazelle

(D)
Heuschrecke

(E)
Savanne

5

Schote : Erbse  =  Etui : ?

(A)
Leder

(B)
Gold

(C)
Handtasche

(D)
Verschluß

(E)
Brille

6

Freude : Gefühl  =  Taube : ?

(A)
Adler

(B)
Frieden

(C)
Flügel

(D)
Vogel

(E)
Taubenschlag


Zentrum für empirische pädagogische Forschung
Universität Koblenz - Landau
Projekt Kreativität
Friedrich-Ebert-Str. 12
76829 Landau

9.2 Test zum schöpferischen Denken - Zeichnerisch







  1. Quellenverzeichnis


Amelang, M., & Bartussek, D. (1997), Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung (4. Auflage), Stuttgart, Kohlhammer. [Kap. 13]


Cropley, A.J. (1995). Kreativität. In Amelang (Hrsg.), Enzyklopädie der Psychologie. Differentielle Psychologie, Band 2 (S. 329-366). Göttingen: Hogrefe.


http://www.mayfieldpub.com/psychtesting/profiles/torrance.htm


http://www.rhrk.uni-kl.de/~zentrum/kreativitaet.html